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Reich an rauschhaften Zuständen - Salome
2011 wird Stefan Herheim zu den Osterfestspielen die Oper von Richard Strauss inszenieren. Eine Begegnung mit Karl Harb nach der Bauprobe in Salzburg.
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(c) Karl Forster
Die Salzburger Osterfestspiele 2010 sind Vergangenheit. An der Zukunft wird bereits gearbeitet. In der Karwoche war Regisseur Stefan Herheim mit seinem Ausstattungsteam in Salzburg, um die nächste Neuinszenierung vorzubereiten: Salome von Richard Strauss. Damit werden die Osterfestspiele 2011 eröffnet. Mit den SN sprach Stefan Herheim über erste Grundzüge seines Konzepts, über sein Opernverständnis und über Erinnerungen an seine umstrittene, heftig diskutierte Salzburger Inszenierung von Mozarts Entführung aus dem Serail, die von 2003 bis 2006 bei den Salzburger Festspielen aufgeführt wurde.
In einem Jahr hat Salome von Richard Strauss bei den Salzburger Osterfestspielen Premiere. Inwieweit können Sie schon etwas zu Ihrer Konzeption sagen?
Herheim: Wir hatten jetzt, wie üblich, eine Bauprobe, um zu sehen, wie wir unsere Vision in diesem Raum zum Leben erwecken können. Das ist der Beginn eines Prozesses, der erst mit der Premiere für ein Regieteam abgeschlossen ist, also wenn die Auseinandersetzung zwischen Darbietung und Rezeption, zwischen Bühne und Zuschauern beginnt. Erst in diesem Moment entsteht ja Kunst.
Das Grundkonzept ist aber klar: Wir wollen die große, alte Geschichte von einer vermeintlich pervertierten Frau erzählen, die sich in die Kaskade eines Blutbads wirft, den Kopf des Propheten verlangt, um - wie sie glaubt - ihre Lust zu stillen. Dabei versucht sie eigentlich sich selbst von den obsessiven Zwängen ihrer pervertierten Umgebung zu befreien. Salomes ungeheuerliches Verlangen und selbstbefriedigende Tat kommt einer Revolution gleich, bei der die männliche Ohnmacht sich selbst zum Opfer fällt. Das Tragische liegt nicht zuletzt darin, dass Salome durch einen Fürsprecher der sogenannten frohen Botschaft zu ihrer Verzweiflungstat getrieben wird. Für die extravagante Prinzessin gilt: Hier und jetzt ist das Leben, Glück liegt nicht in einem jenseitigen, utopischen Erlösungsprinzip. Wer Kopf und Verstand gegen den Sinn des Sinnlichen setzt, begeht ein Verbrechen gegen die Liebe und somit seine eigene Natur.
Sie gelten als bildkräftiger, bildmächtiger Regisseur. Werden Sie opulent ausstatten lassen?
Herheim: Neben Tosca und ein paar anderen Rennern des Standardrepertoires war Salome für mich schon seit Jugendtagen eines der großen Verführungsobjekte der Operngeschichte. Ich habe da früh Blut geleckt, diese Werke allerding erst in meinen Studientagen ausgiebig analysiert und verstanden. Diese Partitur ist so reich an Farben, an rauschhaften Zuständen. Die Musik ist ein Strudel aus Lust und Bosheit und verströmt eine Sinnlichkeit, die man, so glaube ich, auf die Szene übertragen muss, damit sie ihren Sinn entfaltet. Ich habe noch nie auf einer derart breiten Bühne wie der des grossen Festspielhauses hier in Salzburg gearbeitet; Salome ist aber als Koproduktion mit anderen, etwas kleineren Bühnen geplant, weswegen wir nicht mit der vollen Portalbreite von 32 Metern arbeiten können. Das große Festspielhaus ist aber auch ein Raum, der eine grosse Intimität gewährleistet - vor allem akustisch. Das Publikum kann hörend nah am Geschehen sein. Und mein Motto ist stets: mit den Augen hören, mit den Ohren sehen.