Der Ritter Parsifal braucht Gefährten für seine Oper

Die Osterfestspiele Salzburg 2013 werfen ihre Schatten voraus: Am 30.  August war Statistencasting für Wagners Oper Parsifal. Der Journalist  Ernst P. Strobl von den Salzburger Nachrichten berichtete über das  Auswahlverfahren in einer Reportage, die am 1. September 2012 erschienen ist.

Nach den Festspielen ist vor den Festspielen, sagt man gern in Salzburg. Wie wahr. Der Platz vor dem Schüttkasten füllt sich am Donnerstag kurz vor 15 Uhr, Männer aller Altersgruppen und Buben, mit Müttern natürlich. Man bemüht sich, gelassen zu bleiben, dennoch herrscht eine gewisse Aufregung. Für viele ist es Routine, denn es geht darum, eine Rolle als Statist zu ergattern, bei einer Opernproduktion, die seit der Ankündigung für großes Interesse sorgt.

In den Festspielhäusern gehen die Sommerfestspiele zu Ende und schon beginnen die Osterfestspiele. Um präzise zu sein, in Raten. Jedenfalls ist schon der Regisseur von Richard Wagners Parsifal im Lande, um sich seine „Mannschaft“ zusammenzusuchen. Parsifal soll der glänzende Einstand der neuen Osterfestspiele werden, Christian Thielemann dirigiert die Staatskapelle Dresden, Johan Botha ist Parsifal: Und was ein echter Ritter ist, braucht Begleitung. Deshalb ist der Regisseur Michael Schulz angereist, um Statisten zu finden. Zum Beispiel fünf Knaben, Alter sieben bis maximal zwölf Jahre. Oder fünf junge Männer für den zweiten Aufzug, und zuletzt 15 Herren für den dritten Aufzug, unter der Bedingung, dass sie körperlich fit sein müssen. In kurzen Worten schildert Schulz, worum es in Wagners letzter Oper überhaupt geht, er erwähnt Motive wie Erotik und Askese, Leid und Mitleid, Sucht und Sehnsucht und verrät vorerst nur, dass er die „Atmosphäre eines großen Traums“ herstellen will. Auch wenn nicht jeder versteht, was im Kopf des Regisseurs vorgeht, der Wille, dabei zu sein, ist ungebrochen.

Aber wie findet man in kürzester Zeit über zwei Dutzend Mitwirkende? Es gibt natürlich auch „Profis“, die seit vielen Jahren als Statisten mitwirken. Schulz geht pragmatisch vor, erst werden die Kinder gecastet. „Ihr müsst euch vorstellen, Parsifal, das war ein richtiger Loisl vom Land, der wuchs ohne Gameboy und Fernsehen auf.“ Und dann kommt noch kurz die Geschichte vom Gral und der Burg Montsalvat. Die Kinder hören sehr aufmerksam zu. Klingt gut. Die kleinen Bewerber sollen sich eine Rolle aneignen, der eine Teil zieht kämpferisch umher im Saal, der andere Teil ist voller Furcht, verzweifelt, traurig. Es ist unglaublich, wie schnell das geht, wie Körperhaltung und Gesichtsausdruck sich verändern, sofort wird eifrig „gespielt“. Nach kurzem Überlegen hat Schulz seine „kleinen Ritter“ beisammen.

Bei den Männern geht es noch einfacher. Die Großen müssen ausscheiden. Warum? Schulz stellt sich im letzten Aufzug Versehrte vor, die durch das Kostüm stark in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, und trotzdem auf unsicherem Bühnenboden vital agieren sollen. Die Herren müssen im Kreis gehen, sich auf Kommando in Angreiferposition auf den Boden werfen oder „Verwundete“ abtransportieren. Es scheint eine bewegte Inszenierung zu werden - es könne sich aber auch noch ändern, sagt Schulz. Das Personal hat er jedenfalls schon gefunden.

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