Hilary Hahn im Interview

Hilary Hahn, weltweit gefragte Geigerin, kommt nach Salzburg!

Das Coronavirus hat allen Musikern eine längere Zwangspause verordnet. Für die 41-jährige Hilary Hahn war die Pause besonders lang, da sie 2019 eine auf ein Jahr angelegte Auszeit angetreten hatte. Als dann die Pandemie ausbrach, ging Hahn in ihrem Haus in der Nähe von Boston in den Lockdown.

Unterstützt wurde sie dabei von einer begeisterten Online-Community. In den sozialen Medien zählen die Beiträge der Geigerin zu den durchdachtesten und ansprechendsten der Klassikwelt. Im November 2020, als die USA ganz im Zeichen einer spannungsgeladenen Präsidentenwahl standen, nahm Hilary Hahn Zuflucht bei Mozart und komponierte für das Violinkonzert Nr. 5 ihre eigenen Kadenzen. Am 30. Oktober erklingt das Werk in dieser Fassung für das Salzburger Publikum. Begleitet wird Hilary Hahn von der Staatskapelle Dresden unter Daniele Gatti. Während ihres Aufenthalts in Salzburg wird ihr der Herbert-von-Karajan-Preis verliehen.

 

Was bedeutet es für Sie, nach pandemiebedingter Stille jetzt wieder zu konzertieren?

HH Ich habe viel darüber nachgedacht, wie es sich für alle Beteiligten wohl anfühlt, jetzt wieder in die „Zuhörzone“ zu gehen. Ich glaube, dass es für die nächste Saison wichtig ist, nicht einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, sondern den Gefühlen Raum zu lassen, damit sie sich entfalten können. Musikhören kann dies auf eine gute, aber auch sehr bewegende Weise intensivieren.

Man neigt dann vielleicht zu dem Gedanken: „Wir konzertieren wieder, was für eine Erleichterung!" Wir Interpreten sollten aber auch die Tatsache würdigen, dass jede und jeder im Publikum beim Zuhören etwas von sich einbringt. Die Präsenz und volle Aufmerksamkeit des Publikums, das Teilen von Gefühlen, sind ein Geschenk.

 

Hat die lange Pause die Bedeutung eines Musikstückes verändert, das so stark dem Mainstream zuzuordnen ist wie das Mozart-Konzert, das Sie in Salzburg spielen?

HH Mozarts fünftes Violinkonzert ist schon lange Teil meines Lebens, doch diese Entwicklung ist neu. Diesmal spiele ich hier nämlich eigene Kadenzen. Ich habe sie in der Woche der Präsidentenwahl komponiert – eine herrliche Ablenkung. Das Komponieren stellte sich als Ort heraus, an dem ich mich in dieser Woche geborgen fühlen konnte. 

Ich habe noch nie eine von einer Frau komponierte Kadenz gespielt – es sei denn, das ganze Konzert wurde von einer Frau komponiert –, und da dachte ich mir, dass es eine gute Idee ist, meine Stimme einzubringen. Komponieren ist ein Weg, abstrakte Wahrheiten zum Ausdruck zu bringen. So organisiere ich meine Gedanken.

 

Wie gehen Sie dabei vor?

HH Ich improvisiere und lasse ein Aufnahmegerät mitlaufen. Dann höre ich mir an,wie ich beim Spielen meiner Ideen klinge. Was nicht gefällt, wird nicht weiterverfolgt.Was mir gefällt, ordne ich und lasse mir dabei viele Optionen offen. Dabei achte ich auch auf den Ideenfluss, also darauf, was am besten zum nächsten passt. So ähnlich wie jemand, der choreografiert. Er bewegt sich durch den Raum, lässt sich dabei wahrscheinlich filmen und weiß dann beim Anschauen ganz von selbst, was passt. Wenn man etwas, was aus einem kommt, von außen betrachtet, verändert man die Perspektive auf die eigenen Gedanken, die eigenen Erfahrungen.

 

Sie spielen das Konzert in Mozarts Geburtsstadt. Was bedeuten Ihnen Salzburg und die Festspiele?

HH Salzburg ist ein ganz besonderer Ort. Es fühlt sich hier alles sehr persönlich an. Man spürt die Empathie der Stadt für Musik. Die Geschichte, die Energie und das Umfeld – all dies zusammen macht es zu einem besonderen Erlebnis, hier aufzutreten. Man spürt die lange Geschichte, die Stadt ist schön, die Luft frisch, und wenn man wandern wollte, hätte man es nicht weit. Es fühlt sich an wie ein Neuanfang.

 

In Salzburg wird Ihnen ein nach Herbert von Karajan benannter Preis verliehen. Hat er Sie musikalisch beeinflusst?

HH Natürlich! Ich bin mit vielen seiner Aufnahmen aufgewachsen. Bei uns zu Hause lief eigentlich immer der Klassik-Kanal. Karajan war einer der Großen seines Fachs, ein Gigant am Pult.


Karten für das Konzert am Nachmittag des 30. Oktobers unter der Leitung von Daniele Gatti können Sie HIER kaufen.

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