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Bühnenbildmodell zu Carmen. Foto: (c) Forster
 

„Der Tod als Höhepunkt des Lebens“

 
Carmen ist nicht irgendeine Partie. Sie ist fast schon ein Mythos, weil jeder Zuseher etwas anderes in sie hinein projiziert, was es besonders schwierig, wenn nicht gar unmöglich für die jeweilige Sängerin macht, den unterschiedlichsten Erwartungen zu genügen. Der Ausweg kann daher nur sein, die eigene Sicht auf diese Figur ehrlich auf der Bühne zu vertreten. Und Magdalena Kožená hat sich ihr eigenes Bild von Carmen gemacht. In ihren Augen ist sie eine „extrem mutige Frau. Sie ist jemand, der sich stets für die Gegenwart entscheidet. Sie lebt weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft. Sie macht sich keine Gedanken darüber, was gestern war, oder was morgen sein wird. Sie möchte jetzt leben, ganz dem Augenblick ergeben, und nimmt sich daher das, was in diesem Augenblick das richtige für sie ist. Darin besteht für mich ihre Freiheit. Genau das macht sie frei.“

 

Magdalena Kožená hat sich sehr genau auf diese Rolle vorbereitet. Zum einen hat sie Flamenco-Unterricht genommen und dabei die Erfahrung gemacht, dass es sich beim Flamenco nicht einfach nur um einen Tanz handelt, sondern das damit auch eine ganz bestimmte spirituelle Haltung verbunden ist, in die es einzutauchen gilt. Zum anderen hat sie viel über Spanien und spanische Lebensart gelesen und ist dabei auf etwas gestoßen, was Carmens Lust am Augenblick erklären kann: „Die Spanier haben ein ganz besonderes Verhältnis zum Tod. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Tod als Höhepunkt des Lebens zelebriert wird. Das Bestreben ist, hundertprozentig zu leben und den Tod nicht als das Ende, sondern möglicherweise als den Anfang von etwas Neuem zu erleben. In der spanischen Kultur ist der Tod, denken wir nur an den Stierkampf, allgegenwärtig. Aber zugleich herrscht eine große Freude am Leben. Carmen hat etwas von dieser Haltung.“

 

Skizzenbuch zu Carmen. Foto: (c) Forster

 

Kammermusik mit „extrem guten Solisten“

 

Magdalena Kožená wird bei den Osterfestspielen 2012 nicht nur als Carmen, sondern im Rahmen der Kontrapunkte auch mit einem kammermusikalischen Programm zu hören sein, in dem sie neben Manuel de Fallas Psyché, und Ernst Chaussons Chanson perpétuelle auch Lieder Gabriel Faurés singen wird. Dieses Programm mit Musik von französischen und spanischen Komponisten sieht die Sängerin als Ergänzung zu Carmen: „Die Idee ist, dem Publikum einige zusätzliche Leckerbissen zu bieten. Ich freue mich darauf, weil die Berliner Philharmoniker extrem gute Solisten in ihren Reihen haben und es eine Freude ist, Kammermusik mit ihnen zu machen.“

 

 

Der Text von Dramaturg Peter Blaha basiert auf einem Interview, das er im November 2011 mit Magdalena Kožená geführt hat.

 

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