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Magdalena Kožená. Foto: (c) Mathias Bothor/DG

 

 

Ganz dem Augenblick ergeben

 

Ein mit Spannung erwartetes Debüt steht bevor: Magdalena Kožená wird bei den Osterfestspielen Salzburg 2012 zum ersten Mal die Titelrolle von Georte Bizets Oper Carmen szenisch interpretieren. Mit dem Dramaturgen Peter Blaha sprach die Mezzosopranistin über ihre Annäherung an die herausfordernde Rolle sowie über das besondere Verhältnis der Spanier zu Leben und Tod.

 

„Diese Rolle ist eine gewaltige Herausforderung. Trotzdem würde wohl keine Sängerin das Angebot, die Carmen zu übernehmen, ablehnen. Sie ist der Traum für jeden Mezzo“, sagt Magdalena Kožená und sie ergänzt: „Die Herausforderung besteht weniger in technischer Hinsicht. Diesbezüglich habe ich schon weit schwierigere Partien gesungen. Die Herausforderung besteht darin, das herauszuarbeiten, was das Besondere an Carmen ist, nämlich ihr einzigartiges Charisma. Das Publikum muss verstehen, warum sich jedermann in Carmen verliebt - obwohl es auf der Bühne auch noch jede Menge anderer hübscher Mädchen gibt“, wie sie lachend hinzufügt.

Magdalena Kožená stellt sich dieser Herausforderung. Sie ist die neue Carmen der Osterfestspiele Salzburg und erweitert damit ihr Rollenspektrum, in dem neben dem Octavian, der Melisande sowie der Angelina in Rossinis La Cenerentola vor allem Barockopern und Mozart dominieren. Das Zigeunerlied der Carmen aus dem zweiten Akt allerdings hat sie schon einmal auf CD eingespielt. „Das ist lange her. Das habe ich mit Marc Minkowski und seinen Les Musiciens du Louvre gemacht. Ich fand seine Interpretation der Carmen absolut faszinierend. Wenn man das mit Originalinstrumenten macht, unterscheidet sich das sehr stark von jener Carmen, die man gewöhnt ist.“ Trotzdem hielte es Magdalena Kožená für falsch, sich in Salzburg an diesem Interpretation-Ansatz zu orientieren: „In Salzburg spielen die Berliner Philharmoniker. Sie spielen fantastisch und sind auch stilistisch sehr flexibel, aber kein Originalklangensemble.“
  

Bühnenbildmodell zu Carmen. Foto: (c) Forster

 

Subtile Nuancen zum Ausdruck bringen


Die Carmen kommt für Magdalena Kožená genau zur rechten Zeit. In Brno (Brünn) geboren, hat sie am Konservatorium ihrer Heimatstadt bei Eva Blahová Gesang studiert und mit dem Sieg beim Internationalen Mozart-Wettbewerb 1995 in Salzburg auf ihr außergewöhnliches Talent aufmerksam gemacht. Zunächst in Brno, danach an der Wiener Volksoper engagiert gelang ihr 2000 der internationale Durchbruch, als sie für die erkrankte Anne Sofie von Otter bei den Wiener Festwochen als Nerone in Monteverdis L’incoronazione di Poppea einsprang. Seither zählt sie zu gefragtesten Sängerinnen ihres Fachs, deren Liebe nicht nur der Oper, sondern auch Konzerten und Liedern gilt. Ihre „Milch- und Honig-Stimme“ - wie der Kölner General-Anzeiger einmal schrieb - ist extrem farbenreich, ausdrucksstark und sehr beweglich, was sie unter anderem für die Koloraturen-Feuerwerke der Barockmusik prädestiniert. Es ist aber keine dramatische Stimme, weshalb Magdalena Kožená Verdi- und Wagner-Partien für sich ausschließt. Doch Bizets Carmen, die in der Tradition der Opéra comique steht, verlangt keinen dramatischen Mezzo, hingegen eine flexible und wandelbare Stimme, die im Zusammenspiel von Text und Musik in der Lage ist, jede noch so subtile Nuancen zum Ausdruck zu bringen. Und genau das ist Magdalena Koženás Stärke, auch, wenn sie auf Französisch singt.

Auf die Frage, ob ihr das von Anfang an leicht gefallen sei, sagt sie: „Nein, nein. Es war entsetzlich! Die tschechische Sprache ist sehr weit vom Französischen entfernt. Es war schon schwer genug, Französisch sprechen zu lernen, sie dann aber auch noch so in die Stimme zu bekommen, dass es technisch gut sitzt und man mich auch wirklich versteht, das hat lange gedauert. Ich erinnere mich, als ich das erste Mal nach Paris kam, um bei der Aufnahme von Glucks Armide eine kleine Rolle zu übernehmen. Ich hatte zuvor sehr intensiv mit einem Sprachcoach geübt, doch als ich zu singen begann, unterbrach mich Marc Minkwoski und sagte: ?Du singst wundervoll. Nur leider kann ich kein Wort verstehen.’ Ich war am Boden zerstört.“ Das aber ist Vergangenheit, denn Magdalena Kožená , die in erster Ehe mit einem Franzosen verheiratet war und einige Zeit in Paris lebte, hat sich diese Sprache mittlerweile voll angeeignet, was ihr aber, wie sie erzählt, die Franzosen selbst gar nicht immer leicht machten. „Sobald man jemanden auf der Straße auf Französisch anspricht und er den Akzent bemerkt, wird man die Antwort in schlechtem Englisch erhalten. Das war nicht sehr ermutigend.“ Heute liebt es Magdalena Kožená , auf Französisch zu singen. „Diese Sprache ist sehr speziell. Sie ist wie ein phantastisches Gemälde, auf dem man viele Details erkennen kann. Während im Italienischen mehr der Klang im Vordergrund steht, geht das Französische viel stärker von den Wörtern aus. Ich mag das sehr gerne. Und es ist auch in Carmen sehr wichtig.“

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