
Das Leben junger Menschen des 21. Jahrhunderts findet oft unter konstanter Musikbegleitung statt. Persönliche Triumphe, Bewährungsproben und Tragödien des Erwachsen-Werdens haben ihren eigenen Soundtrack, und darin findet Oper als Genre viel zu oft keinen Platz. Dabei ist Oper vielleicht jene Musikgattung, die sich uns am meisten durch das Miterleben erschließt - indem wir selbst erfahrene Lebenssituationen in der Musik wieder finden. Die Themen klassischer Opern haben über die Jahrhunderte ja nichts von ihrer Brisanz verloren: Liebe, Treue, Eifersucht und Rache sind auch für Jugendliche des 21. Jahrhunderts relevant.

Seit 16 Jahren bieten die Osterfestspiele Salzburg und Akzente Salzburg im Projekt Oper quicklebendig - Jugend und Osterfestspiele jeweils 700-1000 jungen Menschen aus Stadt und Land Salzburg die Chance, sich im Rahmen verschiedener Workshops an die aktuelle Opernproduktion der Osterfestspiele anzunähern. Das Projekt soll ihnen helfen, komplexe Handlungen zu durchschauen, die Emotionalität der Musik zuzulassen und einen Bezug zu den eigenen Erfahrungswelten her zu stellen. Allein in den vier Jahren des Wagner'schen "Rings" haben wir 4.400 Salzburger Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren mit musikwissenschaftlichen Einführungen und Kreativ-Workshops das Tor zur Oper geöffnet.
Grundbedingung für das Gelingen des Projekts Jugend und Osterfestspiele sind Neugierde und Offenheit der TeilnehmerInnen. Viele LehrerInnen und SchülerInnen opferten teilweise sogar ihre Freizeit und waren mit vollem Einsatz bei der Sache. Das Sich-Einlassen auf ein so komplexes - und zum Teil fachfremdes - Thema erfordert von allen Beteiligten Flexibilität und Kreativität. Zielgruppe des Projekts sind SchülerInnen bzw. Lehrlinge ab der 9. Schulstufe (14-19 Jahre) aus dem Bundesland Salzburg und den angrenzenden Bundesländern. Alle angebotenen Module des Projekts sind für die teilnehmenden Jugendlichen kostenlos. Klassen, die sich zum Projekt Jugend und Osterfestspiel 2010 anmeldeten, hatten mit einem Gesamtstundenaufwand von mindestens 14 Unterrichtsstunden (je nach Workshop sogar bis zu 18 Stunden) zu rechnen, die im Stundenplan untergebracht werden mussten.
Mehrere Module bauen auf einander auf: Alle TeilnehmerInnen erhalten durch einen Musikwissenschaftler in zweistündigen Vorträgen eine umfassende Einführung die aktuelle Oper, Handlung und Figuren werden erklärt, um den Einstieg in die Oper zu erleichtern. Für teilnehmende LehrerInnen wird darüber hinaus zu jeder Oper ein umfangreiches Materialienheft als Unterrichtsbehelf zusammengestellt. Nach der Einführung beginnen die Workshops: Die Klassen wählen aus einem umfangreichen Workshopkatalog aus, in welcher Form sie sich kreativ oder wissenschaftlich mit der aktuellen Oper auseinandersetzen wollen. Angeboten wurden in den vergangenen Jahren u. a.: Musikgeschichte, Zeitgeschichte, Kulturjournalismus, Politik, Modern Dance, HipHop, Rap, Sprechgesang, Schwertkampf, Theater, Schattentheater, Schmuck, Kostüm, Papiermache, Drachenbau, Lithographie, Comic, Malen, Collage, Pop-up, Metall, Kreatives Schreiben, Fotografie, Komposition, Musikinstrumentebau, Musik, Cocktail mixen. Für alle jene, die noch nie im Großen Festspielhaus waren, bietet ein Workshop "Hinter den Kulissen" die Gelegenheit jene Bereiche erforschen, die "normale" Opernbesucher wohl nicht so oft zu Gesicht bekommen. Die Abteilungen des Hauses zeigen Tricks und Arbeitstechniken aus den Bereichen Bühnentechnik, Kostüm, Bühnenbild, Spezialeffekte und Requisite. An einem gemeinsamen Präsentationstag zeigen alle Klassen, die am Projekt beteiligt waren, ihre Workshopergebnisse in Form von Choreographien, kurzen Szenen, Diapräsentationen oder Referaten. Eine Moderation verbindet die Präsentationen zu einem narrativen Bogen, der alle noch einmal an den Inhalt der aktuellen Oper und die wichtigsten Elemente der Handlung in Erinnerung ruft. Höhepunkt des Projekts ist jedes Jahr der Besuch der Orchesterhauptprobe für alle TeilnehmerInnen.